Kriterien des pathologischen…

Kriterien des pathologischen Internetgebrauchs für Jugendliche

19.10.2012  von NK

Merkmale, um pathologischen Internetgebrauchs frühzeitig erkennen zu können, wurden in den vergangen Jahren von verschiedenen Wissenschaftlern sowohl im In- als auch im Ausland erforscht. In diesem Zusammenhang ist besonders die Studie bzw. die Chen Internet Addiction Scale (CIAS) von Ko u.a. (2005a, 2005b) zu nennen. Erstmalig wurden in Zusammenarbeit mit Psychiatern die Diagnosekriterien in der Praxis getestet und dabei gute Ergebnisse erzielt. Nachfolgend die Kriterien des pathologischen Internetgebrauchs für Jugendliche nach Ko u.a., übersetzt von Petersen u.a. in ihrem Aufsatz „Pathologischer Internetgebrauch - Epidemiologie, Diagnostik, komorbide Störungen und Behandlungsansätze".


„Kriterien des pathologischen Internetgebrauchs für Jugendliche

Ein fehlangepasstes Muster des Internetgebrauchs, das zu klinisch bedeutsamer Beeinträchtigung oder bedeutsamem Leiden führt und zu jeder Zeit während der gleichen Zeitspanne von drei Monaten auftritt:

A. Sechs (oder mehr) der folgenden Symptome sind aufgetreten:

  1. Nahezu ausschließliche Beschäftigung mit Internetaktivitäten.
  2. Wiederholtes Versagen, den Impulsen zur Internetnutzung zu widerstehen.
  3. Toleranzentwicklung: ein bedeutsames Anwachsen der Internetzeit, die gebraucht wird, um Zufriedenheit zu erzielen.
  4. Entzugssymptome, die sich durch eines der folgenden äußern:
    - Symptome von Missstimmung, Angst, Reizbarkeit und Langeweile nach einigen Tagen ohne Internetaktivität.
    - Internetgebrauch, um Entzugssymptome zu lindern oder sie zu vermeiden.
  5. Internetgebrauch über eine längere Zeitspanne, als ursprünglich beabsichtigt war.
  6. Fortdauerndes Begehren nach Einschränkung oder Reduktion des Internetgebrauchs bzw. erfolglose Versuche der Reduktion.
  7. Exzessiver Zeitverbrauch im Zusammenhang mit dem Internet.
  8. Exzessiver Aufwand wird getrieben, um Internetzugang zu erreichen.
  9. Fortgesetzter intensiver Internetgebrauch trotz Wissens darüber, dass ein andauerndes oder wiederholtes körperliches oder psychologisches Problem auftritt, das wahrscheinlich durch den Internetgebrauch verursacht oder exazerbiert wird.

B. Funktionelle Beeinträchtigung: mindestens ein Symptom der folgenden ist aufgetreten:

  1. Wiederholter Internetgebrauch mit der Konsequenz eines Versagens darin, bedeutsame Verpflichtungen oder Rollenerwartungen in der Schule oder zuhause zu erfüllen.
  2. Beeinträchtigung von sozialen Beziehungen.
  3. Verhalten, das schulische Regeln oder Gesetze wegen des Internetgebrauchs verletzt.

C. Das internetsüchtige Verhalten kann nicht besser auf eine psychotische Störung oder eine Bipolar-I-Störung zurückgeführt werden."

zit. in: Petersen K. U. et al. Pathologischer Internetgebrauch -... Fortschr Neurol Psychiat 2009; 77: 263-271

Weitere Quellen:
Ko CH, Yen JY, Yen CF et al. Screening for Internet addiction: an empirical study on cut-off points for the Chen Internet Addiction Scale. Kaohsiung Journal of Medical Sciences 2005a; 21 (12): 545-551
Ko CH, Yen JY, Chen CC et al. Proposed diagnostic criteria of Internet addiction for adolescents. Journal of Nervous and Mental Disease 2005b; 193 (11): 728-733



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