Lan-Party für Eltern

Lan-Party für Eltern

Kriegszenen, Monster und Explosionen auf dem Bildschirm treffen bei Eltern häufig unmittelbar auf Ablehnung. Um den Reiz zu verstehen, den diese Spiele auf Jugendliche ausüben, ist es jedoch erforderlich, sich etwas näher mit "World of Warcraft", "Counterstrike"  und ähnlichen Spielen zu beschäftigen. Eine Gelegenheit, sich mit Unterstützung von spielerfahrenen Jugendlichen (mit denen keine häuslichen Konflikte auszutragen sind) diesem Ziel zu nähern, bietet eine Lan-Party für Eltern. Nur wer weiß, was in diesen Spielen geschieht, ist in der Lage, mit seinen Kindern über die Risiken zu sprechen.

 

 

Eine Pilotveranstaltung in Mülheim an der Ruhr traf bei Eltern auf großes Interesse. Weitere Veranstaltungen sind geplant.



Pressebericht

11.02.2009:

Virtuelle Verführung (WAZ Mülheim vom 2.2.2009)

 

Von Andrea Hoymann

 

„Das fängt ja gut an - ich bin schon tot", sagt Thomas Rox und wirkt trotz recht verheerender Nachricht für sein virtuelles „Ich" in „World of Warcraft" noch sehr vergnügt. Der Familienvater ist einer von 23 Erwachsenen, die am Samstagabend im Evangelischen Gemeindezentrum der Christuskirche, Waldbleeke 47, ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Gemeinsam mit der Ginko Stiftung für Prävention lud die Gemeinde zu fünf Stunden „Grenzenloses Spielen" - der Lan-Party für Eltern.

Das Ambiente ist ein anderes, als man es von Netzwerkpartys gewohnt ist. Auf weiß eingedeckten Tischen liegen Spielbeschreibungen. An der Wand mit Hilfe eines Beamers mit Nintendo Wii gebowlt. Anstatt durch flimmernde Bildschirme durchbrochene Dunkelheit, gibt es einen hell beleuchteten Spielsaal. Und obwohl eigentlich gedaddelt wird, stehen kleine Grüppchen im Raum und unterhalten sich. „Das wollten wir erreichen", sagt Ginko-Mitarbeiter Norbert Kathagen. Der Spieleabend ist Teil der Präventionsarbeit, die Ginko im Rahmen der Online-Suchtprävention leistet. „Wir bekommen immer wieder Anrufe von Eltern, die besorgt sind, weil ihr Kind so viel Zeit vor dem Computer verbringt", berichtet Kathagen

 

Bei der Lan-Party sollen Eltern nun lernen, die Faszination des Mediums zu verstehen. Nur wer wisse, was in den Spielen passiert, sei auch in der Lage, mit seinen Kindern über das Thema zu sprechen.

„Bei World of Warcraft geht es darum, bestimmte Aufgaben gemeinsam in der Gruppe zu lösen", sagt Jakob Noll, der an diesem Abend Hilfestellung beim Spielen gibt. Gerade der soziale Faktor sei es, der Suchtpotential biete. Deshalb sitze so mancher Daddler bis 3 Uhr morgens vor dem Bildschirm. Hinzu komme, dass man eine Aufgabe immer zu Ende spielen müsse, um beim Ausschalten der Kiste wertvolle Punkte nicht zu verlieren.

 

Die Ausrede „ich muss noch eben speichern", um das Spiel noch ein paar Minuten länger hinaus zu zögern, kennt auch Thomas Rox gut. Seine Jungs hat allerdings nicht das Kampfstrategiespiel, sondern der Nintendo DS in den Bann gezogen. „Wir haben zwischen 19 und 20 Uhr eine Medienstunde eingerichtet", sagt Rox. Danach sei Schluss.

 

Klare Regeln empfiehlt auch Ginko in Sachen Computernutzung. An solche müsse man sich schließlich auch in der virtuellen Welt halten. „Wenn Symptome wie Leistungsverlust und soziale Isolation auftreten ist es schon zu spät", sagt Kathagen. „Nein" zu sagen, sei die wichtigste Regel. Doch das ist nicht immer einfach. Vor allem, weil der Computer immer früher zum Alltag gehöre. „Schüler der sechsten Klasse arbeiten heute bereits mit Power Point", erzählt Kathagen. Kinder vom PC fern zu halten sei genauso falsch, wie ihnen unbeschränkten Zugang zu gewähren

 

Gemeindepädagogin Rosemarie Esser hat sich an diesem Abend an das Ego-Shooter Spiel „Call of Duty 5" gewagt. „Ich finde Kriegsspiele deshalb nicht gut, aber ich kann verstehen, was Jugendliche in den Bann zieht", sagt die zweifache Mutter. Auch sie hat im Alltag Erfahrungen gemacht, die ihr die Faszination des „Zockens" verdeutlicht haben. „Wenn es mit der Arbeit nicht richtig weitergeht, erwischt man sich dabei, dass man ein Spiel aufruft und auf einmal sind 45 Minuten vorbei", sagt Esser. Auch hier sei es wichtig, „Nein" zu sagen. Nicht zu den Kindern - sondern zu sich selbst.

 

 

Neue Internetseite

 

Eine Untersuchung bei Mülheimer Jugendlichen bestätigte, dass 7,1% der befragten 15- und 17-Jährigen ihr Spielverhalten als problematisch einschätzen. Ginko bietet deshalb jetzt die www.grenzenlos-spielen.de an. Hier können sich Eltern und Jugendliche zum Thema informieren. Außerdem gibt es dort ein E-Learning Modul, in dem Eltern-Kind-Gespräche geübt werden können.

 

JG

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